Stopp! Dortmunds Speedway 69 beenden zusammen mit Produzent Kurt Ebelhäuser ihre Punkrocksozialisierung und schenken der Welt: "Spam Dance", ihre beste Platte weil immer noch wild, aber: Selbst wenn die vergangenen Konzerte mit Rockgrößen wie Gluecifer, The Generators oder Smoke Blow immer mehr Sinn machen: Wie können zwölf Songs einerseits so tierisch abgehen und doch experimentieren as hell? Haken schlagen, Teppiche legen, Keyboards missbrauchen. Wir vermuten: Das muss man wollen. Jahrelang. überall zusammen spielen (Schüttorf und Los Angeles), alles geben, es leben, es sein, es lieben, es machen. Und schließlich ankommen im Kosmos des Bemerkenswerten.
Auch wenn das hier die erste Platte sein mag, die ihr von Speedway 69 hört, die Sache deutete sich bereits an. Der (Ruhr-)Pott kocht ja immer. Europas am dichtesten bevölkerte Region kann niemand überblicken. Dort und im Rest des Landes spielten Speedway 69 seit 2000 überall, probten, nahmen auf, feierten... Als Debüt gab es die schöne Vinyl-10" "Back From El Ray!!", danach eine Split-EP mit den Amerikanern Still Dreadful, mit denen das Quartett wenig später eine Tour an der US-Westküste spielte. Punk und Rock - die vier ließen nicht los und entwickelten weiter: "Now Denial", das erste Album, folgte, und schließlich die 7"-Vinyl-EP "The Velvet Lounge", produziert von Indie-Legende Phillip Boa und erschienen auf dem traditionsreichen Underground-Label Empty Records. Im Dezember 2005 nahmen Cadillac Michigan (Gitarresang), Philipp (Gitarre), Olaf Gehrke (Schlagzeug), New York NY (Bass) schließlich zusammen mit Kurt Ebelhäuser (Blackmail, Scumbucket) in Koblenz ihr nun erscheinendes neues Album auf: "Spam Dance". Extrem, verspielt, direkt, klassisch, versaut, tanzbar. Koblenz? Dortmund? Welt? Speedway 69 knüppeln charmant alles nieder, sind dabei aber offensichtlich auf der Suche nach mehr. Tonnenschwere Midtemposongs wie "Lankshop" oder das furios treibende "The Day I Began To Dethrone Myself" sind Neuland. Die Energie ist gewaltig, und trotzdem alles herrlich melodisch. Freunde des vielerorts zum Spiel des Jahres gewählten PC-Games "Bet On Soldier" werden das bereits wissen. Der Abschlusssong von "Spam Dance", "Sonic Revolt", ist schließlich Teil des Soundtracks. Auch Ebelhäuser ahnte wohl, dass da was schlummerte. Der Ideengeber der deutschen Indie-Flaggschiffe Blackmail und Scumbucket ließ sich sogar zu einem Duett hinreißen. Und schreit nun auf "Down With Tony Action" wie ein angestochenes Schwein im Rhythmus der Hackebeile. Dazu brachten ihn: Speedway 69, vier Typen, die allen Ernstes noch lachen können und auch müssen, weil sie wissen, dass sie spätestens jetzt alles loslassen und dass das auch gut so ist. Jeden Abend. "Spam Dance" wird Tanzflächen füllen, Freunde schaffen und live so derart durch die Decke schießen, dass man sich fragt was zuerst da war: Platte oder Bühne? Und war das so nicht auch gedacht von Kyuss und den Queens Of The Stone Age, von Zeke und den Foo Fighters, von Satan und Gott? Einsteigen, nicht anschnallen, Regler auf 12, Backstein aufs Gas, Lenkrad loslassen, Augen weit auf. |