Wenn Naked Raven eines Tages die Herrschaft der Welt antreten, werden Dutzende Fanseiten
im Netz stehen, man wird Interviews mit internationalen Medienvertretern herunterladen können und natürlich das Protokoll der Audienz beim Papst. Die Menschheit wird die Geschichten und Geschichtchen der Bandmitglieder, einschließlich der gelegentlichen Ausrutscher, bis ins Detail mitverfolgen. Währenddessen werden die Fans alle Konzerte, CDs, Interviews und öffentlichen Auftritte bis ins Allerkleinste auseinandernehmen, auswerten und diskutieren. Bis dahin allerdings werden unsere Fans sich mit diesen paar Bruchstücken zufriedengeben müssen – und mit allem, was sie im großen, weiten Universum sonst noch so aufstöbern… Googelt man Janine, erscheint vor dem inneren Auge eine Szene mit Jazzgeklimper und Gläserklappern. Eine Minderjährige, die von ihren Eltern zu Auftritten in Pianobars genötigt wird. Unvergessliche Auftritte in Berts Show. Eine junge Sängerin, die das Rennen gegen Kylie auf die letzten Meter mit dem Titelsong aus Neighbours macht. In einem hippen Vinylrock steht sie tapfer da, im Gewühl eines stickig-heißen Pubs, ohne ohnmächtig zu werden. Die Modegurus aus der Chapel Street sind nichts dagegen. Das Haar ist weiß oder schwarz gefärbt wie in einem Manga, das Lächeln rätselhaft wie das einer Sphinx. Die Suche nach Steph in der echten Welt des World Wide Web lässt uns eine tiefgründige Kreuzwortliebhaberin entdecken, eine Pragmatikerin, die immer einen Witz auf Lager hat und zudem die Gründerin und ergebenste Anhängerin der Gelati o'clock-Tradition ist. Wählt man die Bildersuche, erkennt man wunderbares dunkles Haar, schlaksige Handgelenke, die Hände einer Violinistin. Sie trägt natürlich Schwarz, was sonst. Und sie liebt die Melbourner Cafés, die deutschen Fans und Abendessen mit Freunden. Ach, diese wunderbare Ruhe! James, der dunkle Ritter, hinterlässt kaum Spuren im Netz. In der einen oder anderen Ahnentafel ploppt er plötzlich auf. Er versteht sich auf das Backen von Beerenmuffins. Zu seinem Repertoire an Instrumenten gehört so ziemlich alles und jedes, sogar die Lautsprecher müssen immer mal wieder herhalten. Zusammen machen diese drei wundervolle Musik. Chamber Pop, Musik für die Seele. Das ultimative Hörerlebnis für feinsinnige Ohren. Aber warum Europa? Vielleicht hatten sie die australischen Pubs einfach satt, mit ihrem dichten Qualm, ihren unermüdlichen Säufern und den krachigen Lachern mitten in den leisesten Stellen. Vielleicht sehnten sie sich einfach nach einem aufmerksameren Publikum. Vielleicht ist Europa ja zu ihrer musikalischen Heimat geworden. Oder vielleicht hegen sie einfach nur ganz im Stillen den Wunsch nach internationalem Ruhm, nach drängelnden Fans an den Flughäfen - und das geht nun mal am besten in Europa. Booking: |